80 Prozent davon kannst du längst
Viel Geschrei um erstaunlich wenig neue ArbeitDu scrollst zwei Minuten durch LinkedIn, und in dieser Zeit erklären dir drei verschiedene Leute, dass Google erledigt ist und dass du ab sofort in ChatGPT gefunden werden musst, sonst war es das mit den Anfragen. Alle drei haben zufällig auch gleich ein Paket dafür im Angebot.
Ich fange trotzdem mit der guten Nachricht an, damit du nicht bis ganz nach unten scrollen musst: Ungefähr 80 Prozent von dem, was du dafür brauchst, kannst du längst. Es ist das SEO, das du sowieso machst. Der neue Teil ist überschaubar, und den gehen wir hier gemeinsam durch.
Wer lieber liest: Hier steht alles zum Nachlesen, inklusive dem Handgriff, mit dem du in dreißig Sekunden nachschaust, ob dich diese Systeme überhaupt hereinlassen.
Es gibt zwei Wege in eine KI-Antwort, und nur einer bringt dir etwas
Bevor wir über Maßnahmen reden, müssen wir zwei Dinge auseinanderhalten, die ständig in einen Topf geworfen werden, obwohl sie miteinander ungefähr so viel zu tun haben wie ein Telefonbuch und ein Telefonat.
Der erste Weg: Das Modell weiß etwas über dich, weil es das irgendwann beim Training in einem Text gelesen hat. Diese Information ist teilweise Monate bis Jahre alt, es hängt kein Link daran, und du hast darauf kurzfristig exakt null Einfluss. Den Weg kannst du für deine Planung also getrost vergessen.
Der zweite Weg ist der interessante. Da sucht das System in genau dem Moment, in dem jemand die Frage stellt, im Netz danach, holt sich ein paar Seiten, liest sie und baut daraus eine Antwort mit Quellenangaben. Und nur dort entstehen die Links, auf die jemand auch tatsächlich klicken kann.
Merk dir dieses Bild: Es gibt das, was die KI gelernt hat, und es gibt das, was die KI gerade nachschlägt. Du willst unbedingt in der Nachschlage-Ebene stehen.
Das ist der Unterschied zwischen einem Bekannten, der dir aus dem Gedächtnis erzählt, dass er da mal von einer guten Steuerberaterin gehört hat, und einem, der mitten im Gespräch das Handy in die Hand nimmt und nachschaut. Der Erste sagt vielleicht deinen Namen. Der Zweite schickt die Telefonnummer weiter.
Wenn du nur diesen einen Punkt aus dem ganzen Beitrag mitnimmst, hast du schon mehr verstanden als die meisten, die dir gerade etwas dazu verkaufen wollen.
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Die häufigste Ursache ist erschreckend banal: Die Tür ist zu
Und jetzt kommt der unspektakulärste Teil der ganzen Geschichte, der in der Praxis aber am häufigsten der Grund dafür ist, dass jemand in diesen Antworten schlicht nicht vorkommt. Diese Systeme haben nämlich eigene Programme, die im Netz herumgehen und Seiten lesen. Und die kann man aussperren.
Das passiert erstaunlich oft, ohne dass das jemand bewusst entschieden hätte. Zwei Beispiele: Seit Juli 2025 sperrt ein großer Anbieter von Schutzdiensten, den sehr viele Websites im Hintergrund verwenden, diese Programme bei neuen Domains automatisch aus. Und in etlichen Sicherheits- und SEO-Zusatzprogrammen wurde in den letzten zwei Jahren so eine Sperre eingebaut, standardmäßig, also ohne dass jemand ein Häkchen setzen musste.
Das heißt im Klartext: Es kann sehr gut sein, dass jemand seit zwei Jahren fleißig Inhalte produziert, Zeit und Geld hineinsteckt, sich über jeden Blogbeitrag freut – und diese Texte werden von genau den Systemen, um die es hier geht, nie gelesen.
Stell dir vor, du dekorierst dein Schaufenster jede Woche neu, wechselst die Ware, machst dir echt Mühe. Und die Eingangstür ist versperrt. Von außen sieht alles wunderbar aus.
Es gibt dabei einen schönen Nebenaspekt, den kaum jemand kennt: Man kann das nämlich trennen. Für das Training musst du deine Texte nicht hergeben, gefunden werden darfst du trotzdem. Das ist genau die Einstellung für alle, die zurecht nicht wollen, dass irgendwer mit ihren Texten trainiert. Du kannst beides haben.
Zwei Dinge, für die du gerade Geld ausgeben sollst, und die nichts bringen
Und jetzt zu dem Teil, wegen dem ich das Thema überhaupt aufgegriffen habe. Denn seit ein paar Monaten wird da gerade ein neues Geschäftsmodell aufgebaut, und ein Teil davon ist schlicht und einfach Unsinn.
Das erste heißt llms.txt. Das ist eine kleine Datei, die man auf die Website legt und die den KI-Systemen erklären soll, was auf der Seite alles steht. Klingt im ersten Moment total sinnvoll, und ich habe bei den ersten Angeboten dazu auch kurz gedacht: Vielleicht bin ich einfach zu skeptisch.
Ein Analyseanbieter hat im Mai 2026 über 137.000 Domains untersucht. Bei 97 Prozent dieser Dateien hat sie überhaupt nie irgendjemand abgerufen. Nicht selten. Nie. Und Google führt diese Datei in der eigenen Dokumentation ausdrücklich unter der Überschrift „nicht nötig“.
Das ist der Zettel, den du dir an die Tür klebst, damit die Leute wissen, was drinnen steht. Und dann schaut ihn keiner an, weil alle einfach hineingehen und selber nachsehen.
Das zweite sind strukturierte Daten. Das ist so eine Art unsichtbare Beschriftung im Hintergrund deiner Seite, mit der du technisch hinterlegst, dass dieses Ding hier ein Preis ist, jenes eine Öffnungszeit und das da hinten eine Bewertung. Dazu gibt es inzwischen eine Untersuchung mit Kontrollgruppen, also sauber aufgesetzt und nicht nur ein Bauchgefühl, und die hat keinen messbaren Vorteil für die Sichtbarkeit in KI-Antworten gefunden. Bei Google gab es sogar einen leichten Rückgang.
Ganz wichtig, weil ich fair bleiben will: Diese Beschriftung ist trotzdem sinnvoll, vor allem für Google Maps, für die erweiterten Suchergebnisse mit Sternen und Preisen und schlicht für saubere Daten. Ich baue sie also weiterhin ein. Nur eben nicht mit dem Argument, dass dich das in ChatGPT sichtbar macht, denn das tut sie nachweislich nicht.
Und daraus wird der Satz, den ich dir mitgeben will: Wenn dir jemand ein Paket verkauft, das im Kern aus diesen beiden Dingen besteht, dann verkauft er dir zwei Sachen, von denen inzwischen erwiesen ist, dass sie für dieses Ziel nichts bringen. Du darfst das ruhig genau so ansprechen.
Was wirklich hilft, machst du zu 80 Prozent schon
Wenn du jetzt denkst: Super, jetzt hat sie mir erzählt, was alles nicht funktioniert, aber was denn nun? – dann ist das die richtige Frage. Es sind vier Dinge, und du wirst merken, dass dir davon nichts wirklich fremd vorkommt.
Erstens: Schreib deine Zwischenüberschriften als Fragen, und zwar so, wie ein Mensch sie stellen würde. Also nicht „Preisgestaltung“, sondern „Was kostet eine Website in Wien?“. Und direkt darunter zwei, drei Sätze, die genau diese Frage beantworten. Erst danach führst du aus, holst aus, erklärst die Ausnahmen.
Das ist keine Zauberei, das ist einfach gutes Schreiben. Der Punkt dahinter: Diese Systeme zitieren keine Website, sie zitieren eine Stelle. Wenn deine Antwort über vier Absätze verteilt ist und erst im letzten Nebensatz konkret wird, gibt es nichts, was man sauber herausnehmen könnte. Steht sie kompakt unter der Frage, ist sie herausnehmbar. Wie du eine ganze Seite nach diesem Prinzip aufbaust, habe ich in Folge 107: Die FAQ-Seite – warum sie mehr kann, als du denkst Schritt für Schritt gezeigt.
Zweitens: Zahlen statt Eigenschaftswörter. Also „ab 2.400 Euro“ statt „faire Preise“, „innerhalb von 24 Stunden“ statt „schnelle Reaktion“, „Wien und Umgebung“ statt „regional tätig“. Zahlen, Preise, Zeiträume und Ortsnamen sind genau das, was zitiert wird. Adjektive nicht. Ein Adjektiv ist eine Behauptung, eine Zahl ist eine Information, und diese Systeme sind auf Informationen aus.
Drittens, und das ist der Punkt, bei dem ich am häufigsten fündig werde: Alles Wichtige muss als sichtbarer Text dastehen. Wenn deine Preise in einer hübschen Grafik stehen, deine Öffnungszeiten in einem Element, das erst nachlädt, wenn man scrollt, und deine Leistungen auf einem Bild abgebildet sind, dann existiert das alles nicht.
Für ein Sprachmodell ist deine schöne Grafik einfach eine leere Fläche. Du hast dich über die Grafik gefreut, die Leute finden sie schön, und die KI sieht: nichts.
Viertens: Pflegen schlägt Produzieren. Bei den Seiten, die zitiert werden, war das Änderungsdatum entscheidend, nicht das Datum der Veröffentlichung. Ein gepflegter alter Beitrag schlägt also einen frischen neuen, und das ist für mich die entspannteste Nachricht am ganzen Thema. Du musst dich nicht ständig neu erfinden, du musst nur dafür sorgen, dass deine Website aktuell ist und lebt. Warum regelmäßige Pflege ohnehin mehr ist als ein paar Updates im Hintergrund, steht in Folge 15: Die Wartung deiner Website – mehr als nur Updates.
Merkst du was? Von diesen vier Punkten ist kein einziger neu. Das sind alles Dinge, die schon vor der KI-Suche gute Praxis waren und die dir bei Google genauso helfen. Deswegen bin ich bei „du musst jetzt alles anders machen“ auch so ungnädig.
Der eine Punkt, der wirklich anders ist als klassisches SEO
Es gibt allerdings eine Sache, die tatsächlich anders funktioniert, und die ist spannend: Es zählt auch, wo sonst noch über dich gesprochen wird. Damit sind nicht Verlinkungen im engeren Sinn gemeint, sondern schlicht Erwähnungen, also dass dein Name irgendwo im Netz vorkommt.
Es gibt dazu eine Untersuchung von 75.000 Marken, und genau das hing am stärksten damit zusammen, ob eine Marke in KI-Antworten auftaucht oder nicht. Stärker als Verlinkungen. Das ist deshalb logisch, weil ein System, das gerade nachschlägt, nach Bestätigung sucht: Wenn dein Name an mehreren unabhängigen Stellen auftaucht und die Angaben dort zusammenpassen, bist du eine sichere Antwort. Wenn er nur auf deiner eigenen Seite steht, bist du eine Behauptung.
Praktisch heißt das: Branchenverzeichnisse, in denen deine Daten überall gleich geschrieben sind, Einträge bei der Wirtschaftskammer, ein LinkedIn-Profil mit ausformulierten Sätzen statt einer Stichwortliste, regionale Presse. Und wenn du ein lokales Geschäft hast, dein Google Unternehmensprofil.
Genau da zahlt übrigens auch alles ein, worüber ich in Folge 106: Google-Bewertungen sammeln gesprochen habe, und wenn du regional arbeitest, ist Folge 90: Lokales SEO für Unternehmen die passende Ergänzung dazu. Das ist keine Zusatzarbeit für die KI-Suche, das ist dieselbe Arbeit, die dir schon vorher Kunden gebracht hat.
Was du dagegen auf gar keinen Fall tun solltest: Erwähnungen kaufen. Google nennt das in einer eigenen Dokumentation ausdrücklich schlechte Praxis. Das ist ein Risiko und kein Hebel.
Über 40 Prozent mehr Anfragen – aber nicht über Nacht
Die Anfragen sind gestiegen, und zwar spürbar über das Kontaktformular. Also genau dort, wo Martin und seine Leute sie haben wollten: nach wenigen Monaten über 40 Prozent mehr.
Und weil das leicht untergeht: Das war kein Projekt, das nach einer Woche fertig war. Erst aufräumen. Dann schauen, was das bringt. Dann der nächste Schritt. Total unspektakulär – aber so funktioniert es in der Realität nun einmal.
Was ich an diesem Projekt so mag: Es hat mit einem Wartungsauftrag angefangen. Mit dem kleinsten Auftrag, den man sich vorstellen kann, nicht mit einer großen Strategie und nicht mit einem Riesenbudget. Sondern mit dem Satz: Schau da bitte mal drauf. Das ist oft der beste Anfang, den ein Projekt haben kann.
🪄 Der magische Feen-Tipp
Dieser Tipp dauert dreißig Sekunden und du brauchst dafür weder ein Werkzeug noch einen Zugang.
Tipp in deinem Browser deine Domain ein, dahinter einen Schrägstrich und dann robots.txt. Also zum Beispiel meinebude.at/robots.txt. Dann kommt eine ganz simple Textseite, die aussieht wie aus dem Jahr 1998, und auf der suchst du nach drei Namen: OAI-SearchBot, PerplexityBot und Claude-SearchBot.
Wenn du einen davon findest und dahinter steht das Wort Disallow, dann bist du für dieses System nicht vorhanden. Egal wie gut deine Texte sind, egal wie viele Fragen du sauber beantwortet hast.
Und wenn du gar nichts findest, ist das in den meisten Fällen die gute Nachricht: Es gibt keine Sperre. Schreib dir einfach heraus, was dort steht, und damit kann jeder Webseitenexperte sofort etwas anfangen.
Und jetzt die Zahl, die dir sonst niemand sagt
Die KI-Suche macht heute im Schnitt ungefähr ein Prozent des Verkehrs auf Websites aus. Ein Prozent. Das wächst schnell, aber es ist heute noch klein. Wer dir erzählt, das wären schon zwanzig Prozent, hat entweder nicht hingeschaut oder verkauft dir gerade etwas.
Was allerdings gerade passiert, ist etwas anderes, und deswegen beschäftige ich mich damit: Es wird gerade entschieden, wer als Standardempfehlung gilt. Wer heute sauber gelesen wird, ist morgen die naheliegende Antwort. Das ist kein Grund für Panik, aber ein guter Grund, einmal hinzuschauen.
Lass dich von dem Geschrei also bitte nicht nervös machen. Du musst nur schauen, ob die Tür offen ist, ob deine Antworten als Text dastehen und ob deine Seite gepflegt ist.
Wenn du in deiner robots.txt etwas gefunden hast, das du dir nicht erklären kannst, dann ist das ein guter Anlass für meinen Website-Quickie. Der ist kostenlos, und wir schauen gemeinsam nach, ob deine Seite überhaupt durchgelassen wird. Diese Frage sollte man ehrlicherweise klären, bevor man in Inhalte investiert, die dann niemand liest.
Und wenn du das nächste Mal jemanden reden hörst, als wäre morgen alles anders: Frag ihn, wie hoch der Anteil wirklich ist. Die Antwort sagt dir mehr über ihn als über die Suche.
Jetzt bin ich neugierig: Was steht in deiner robots.txt? Schreib mir gern, was du gefunden hast – vor allem, wenn dort etwas steht, von dem du keine Ahnung hast, wie es dort hingekommen ist.
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